Zu den Inhalten springen

Spitzenmedizin mit Herz

Freiburg, 08.02.2016

Wenn das Herz aus dem Takt kommt

Kardiologie

Normalerweise schlägt unser Herz mit schöner Regelmäßigkeit. Egal ob Tag oder Nacht, ob wir gerade im Urlaub sind oder im Job ein anstrengendes Projekt zu Ende bringen, beim Schwimmen, Plaudern, Schlafen – auf diesen Muskel ist Verlass, und zwar, ohne dass wir dafür etwas tun müssten.

Rund 100.000 Mal schlägt das Herz eines erwachsenen Menschen an einem Tag, das sind etwa 70 Schläge pro Minute. Bei Babys schlägt das Herz schneller, nämlich 150 Mal pro Minute, bei Jugendlichen noch etwa 90 Mal pro Minute. Das Herz eines älteren Menschen schlägt in dieser Zeit etwa 50 Mal. Das alles sind Werte für die Ruhefrequenz. Bei körperlicher oder seelischer Anstrengung erhöht das Herz seine Schlagzahl. Jede Minute pumpt es etwa fünf Liter Blut durch den Körper und stellt damit sicher, dass alle Organe mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt werden.

Für die Führung des Herzschlags ist der sogenannte Sinusknoten zuständig. Er gibt durch elektrische Impulse den Takt vor. Der normale Rhythmus eines Herzens heißt daher Sinusrhythmus. Hin und wieder passiert es jedoch, dass ein Herz aus dem Takt gerät. Dann bildet der Sinusknoten die Impulse nicht so, wie er soll, oder es gibt Probleme bei der Weiterleitung in die Vorhöfe und die Herzhauptkammern. Mediziner sprechen dann von einer Herzrhythmusstörung. „Schlägt das Herz zu langsam, sprechen wir von einer Bradykardie, schlägt es zu schnell, handelt es sich um eine Tachykardie“, sagt Dr. Jürgen Biermann, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie I (Ärztlicher Direktor: Univ.-Professor Dr. Christoph Bode) am Universitäts-Herzzentrum Freiburg ∙ Bad Krozingen (UHZ). Die weitaus häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. Hierbei erzeugen die flimmernden Vorhöfe einen unregelmäßigen und oft auch schnellen Puls.

Herzrhythmusstörungen können ganz verschiedene Ursachen haben: Von einer genetischen Veranlagung über die Einnahme bestimmter Medikamente oder eine Überfunktion der Schilddrüse bis zu einem ungesunden Lebenswandel mit Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen. Es gibt gefährliche und ungefährliche Herzrhythmusstörungen. Solche, die im Vorhof des Herzens entstehen, sind in den meisten Fällen nicht sofort lebensbedrohlich. Dagegen sind die Störungen, die von den Herzhauptkammern ausgehen, oft unmittelbar lebensbedrohlich und müssen sofort behandelt werden.

Nicht jeder, der eine Herzrhythmusstörung hat, spürt Symptome. Das können bei einem zu langsamen Herzschlag zum Beispiel Schwindel und Übelkeit sein. „Das Gehirn wird zeitweise unterversorgt, der Blutdruck ist oft nicht mehr stabil“, erklärt Dr. Biermann. Die unzureichende Versorgung mit Sauerstoff zeigt sich mitunter auch darin, dass der Patient sich müde und antriebslos fühlt. Charakteristisch für einen zu schnellen Herzschlag ist Herzrasen. Patienten leiden dabei häufig zusätzlich unter Atemnot, Schwindel und/oder Benommenheit. Und nicht selten unter der Angst, dass sie gleich ohnmächtig werden oder ihr Herz stehen bleibt.

Jeder, der das Gefühl hat, dass sein Herz aus dem Tritt gekommen ist, sollte das mit seinem Hausarzt abklären. „Es passiert häufig, dass ein Patient mit solchen Beschwerden zum Arzt kommt, der dann aber keine Unregelmäßigkeiten mehr feststellen kann“, sagt Professor Dr. Thomas Arentz, Chefarzt der Abteilung Rhythmologie an der Klinik für Kardiologie und Angiologie II (Ärztlicher Direktor: Univ.-Professor Dr. Franz-Josef Neumann) am UHZ. Daher werden Herzrhythmusstörungen meist über ein Langzeit-EKG diagnostiziert. Mit diesem Elektrokardiogramm wird die Aktivität des Herzens bis zu 24 Stunden lang aufgezeichnet. Akut gefährlich, sagt Arentz, sind Herzrhythmusstörungen nur selten. Bei Vorhofflimmern muss jedoch bei älteren Patienten und bei Vorliegen gewisser Risikofaktoren wie hohem Blutdruck oder Zuckerkrankheit zur Verhinderung eines Schlaganfalls das Blut verdünnt werden.

Ein Herz, das nicht mehr gleichmäßig schlägt, kann unterschiedlich behandelt werden. Der klassische Weg sind Herzrhythmusmedikamente. „Weitaus erfolgsversprechender ist es, das Areal im Herzen zu identifizieren, das die Störung verursacht, und es gezielt mittels eines Katheters zu veröden“, sagt Dr. Jürgen Biermann. Diese sogenannte Katheter-Ablation wird bei Tachykardien angewandt. Schlägt das Herz zu langsam, verhilft meist ein Herzschrittmacher zu einem gesunden Rhythmus.

Universitäts-Herzzentrum Freiburg • Bad Krozingen
Mit etwa 22.000 stationären Patienten pro Jahr, 377 Betten und 1.500 Mitarbeitern ist das Universitäts-Herzzentrum Freiburg • Bad Krozingen eines der bundesweit größten Herz-Kreislaufzentren. Es nimmt in der Krankenversorgung, Forschung und Lehre eine exponierte Stellung in Deutschland und Europa ein. Das Universitäts-Herzzentrum verfügt über die Wissensträger und die Ausstattung, um neue Behandlungsmethoden zu erforschen und dem Patienten schnell und verantwortungsvoll zu Gute kommen zu lassen. Gestärkt wird die Forschungskompetenz durch die geplante Etablierung eines national und international sichtbaren biomedizinischen Forschungszentrums auf dem Gebiet der kardiovaskulären Medizin

zurück
Pressestelle
Benjamin Waschow

Benjamin Waschow
Telefon: 0761 270-19090
Telefax: 0761 270-19030
E-Mail: pressestelle@
uniklinik-freiburg.de

 
Dreharbeiten in Gebäuden und auf dem Gelände des Universitäts-Herzzentrums bedürfen einer Erlaubnis durch die Geschäftsführung. Drehgenehmigungen erhalten Journalisten auf Anfrage bei der Pressestelle.