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Spitzenmedizin mit Herz

Freiburg, 19.04.2017

„Endlich hörte und spürte ich mein Herz“

Alexander Wihler ist 20 Jahre alt, als sein Herz immer schwächer wird. Dann fällt er ins Koma. Die Ärzte des Universitäts-Herzzentrums Freiburg • Bad Krozingen müssen sofort handeln.

(19.04.2017) Jeden Tag im Rebberg arbeiten ist anstrengend, ohne Frage. Aber seine zunehmenden Atemprobleme machten dem Winzer Alexander Wihler doch Sorgen. Es war Anfang 2013 als er zu seinem Hausarzt ging und über Schwindel, Kurzatmigkeit und Sehprobleme klagte. Zu niedriger Blutdruck war die erste Diagnose. Doch weil sich trotz Medikamente keine Besserung zeigte, ging er zum Kardiologen. Der stellte eine deutlich vergrößerte linke Herzkammer fest und überwies Alexander Wihler in das 25 Kilometer entfernte Universitäts-Herzzentrum in Freiburg. „Hier kam die erschütternde Diagnose. Mein Herz war so kaputt, dass ich ein Spenderherz brauchte.“ Der Grund war eine bisher nicht erkannte angeborene Herzinsuffizienz – ein Schock für ihn und seine Familie. Mehr als eintausend Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderherz. Aber nicht einmal ein Drittel dieser Patienten hat jedes Jahr die Chance, ein neues Herz zu erhalten.  

Zurück auf dem elterlichen Hof nahe der französischen Grenze verstärkten sich Alexanders Probleme: „Ich konnte nur noch im Sitzen schlafen, hatte Mühe zu essen und zu trinken und es begann sich Wasser in meiner Lunge zu sammeln.“ Er wurde ins Universitäts-Herzzentrum eingeliefert und sofort auf die hochdringliche Warteliste für eine Herztransplantation aufgenommen. Trotzdem beträgt die Wartezeit auf ein Spenderherz in Deutschland auf der höchsten Dringlichkeitsstufe mehrere Monate – eine lange Zeit, die Alexander nicht hatte. Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend. Er bekam eine schwere Lungenentzündung, seine Leber und seine Nieren versagten und er fiel ins Koma. „Wir mussten sofort handeln und ihm in einer Not-OP ein Linksherzunterstützungssystem (sogenanntes Kunstherz) implantieren“, erklärt Dr. Michael Berchtold-Herz, Oberarzt an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UHZ.

Die Operation rettete ihm das Leben, aber er verlor damit seinen Platz auf der Hochdringlichkeitsliste. Wegen eines Blutgerinnsels im Herzunterstützungssystem, sowie eines neu aufgetretenen Problems mit einer Herzklappe musste er nach drei Wochen erneut operiert werden. Dabei wurde das Unterstützungssystem ausgetauscht und die erkrankte Herzklappe repariert. Danach ging es Schritt für Schritt langsam aufwärts, Alexander lag zwei Monate lang auf der herzchirurgischen Intensivstation. „Als ich aus dem Koma erwachte, musste ich erst einmal verarbeiten, dass ich nun mit einer Pumpe lebe. Ich hörte mein Herz nicht mehr schlagen“, erinnert sich Alexander. Kabel führten aus einem Bauch zu einer Tasche mit dem Akku. Diese musste er fortan immer bei sich tragen.  

Zwei Jahre lebte Alexander mit seinem Kunstherz, als es im August 2015 eines Nachts zu einem kurzen Pumpenstopp kam. Die Ärzte und Kardiotechniker des Universitäts-Herzzentrums stellten einen Kabelbruch fest und versorgten den mittlerweile 22-Jährigen mit einem speziellen Überbrückungskabel. „Mit seiner Vorgeschichte war ein erneuter Austausch des Herzunterstützungssystems nicht die optimale Behandlung“, sagt Dr. Berchtold-Herz. „Das bedeutete, dass wir Alexander wieder auf die Hochdringlichkeitsliste für ein Spenderherz setzen mussten. Da permanent die Gefahr bestand, dass das Herzunterstützungssystem stehen bleiben konnte,  musste er bis zur Herztransplantation im Universitäts-Herzzentrum bleiben.“ Im Nachhinein sei der Kabelbruch sein Glück gewesen, meint Alexander.  

Doch er musste fünf Monate warten – bis zum 1. Februar 2016, als um 21.30 Uhr der lang ersehnte Anruf kam: „Dr. Berchtold-Herz meldete sich aus dem Urlaub und sagte das Organ sei da, und es würde sofort losgehen. Ich wusste nicht, ob ich vor Freude weinen oder lachen sollte.“ Jetzt musste alles schnell gehen. Innerhalb einer Stunde wurde er auf die Operation vorbereitet. 22.30 Uhr fuhr er durch die OP-Schleuse. Neun Stunden operierte das Team um die beiden Oberärzte Dr. Kerstin Brehm und Dr. Johannes Kroll. Die Pumpe ließ sich aufgrund schwerer Verwachsungen nicht so einfach entfernen. Sie musste mühsam und langwierig freipräpariert werden. Zeit hatte das Team nicht, denn das neue Herz musste so schnell wie möglich transplantiert werden. Als es eingesetzt wurde, war es geschwächt. Doch die Operation glückte. Alexanders neues Herz schlug zunächst.  

Ein paar Stunden nach der Transplantation zeigte sich jedoch, dass das neue Herz noch nicht in der Lage war, Alexanders Kreislauf aufrecht zu erhalten. Er musste wieder an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. So bekam das neue Herz zusätzliche Zeit zur Erholung, bis die Herz-Lungen-Maschine schließlich nach fünf Tagen wieder entfernt werden konnte.   

Eine Woche lag er noch im künstlichen Koma. „Es war ein gutes Gefühl aufzuwachen. Die Tasche und die Pumpe waren weg. Kein Kabel, nur die Zugänge für die Infusion.“ Und ganz wichtig: „Endlich hörte und spürte ich wieder mein Herz, wie vor drei Jahren.“  

Heute lebt Alexander fast wieder wie früher, er kann Rad fahren, joggen und mit seinen Freunden abends ausgehen. „Ohne die Möglichkeiten der universitären Hochleistungsmedizin hätte Alexander nicht überlebt“, sagt der Herzchirurg rückblickend. „Hierbei handelte es sich um ein schweres Krankheitsbild, das durch viele auftretende Folgeprobleme kompliziert wurde: schweres Herzversagen, Lungenentzündung, Multiorganversagen, die notfallmäßige Implantation eines Herzunterstützungssystems, danach der technische Defekt,  das Warten auf das neue Herz und zuletzt die schwierige Herztransplantation, bei der auch noch ein primäres Transplantatversagen auftrat. Wir mussten alle Möglichkeiten der universitären Medizin ausschöpfen.

Neben dem Team um Prof. Dr. Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UHZ, hatten auch viele andere Kliniken, Abteilungen und Institute des Universitäts-Herzzentrums Freiburg • Bad Krozingen und des Universitätsklinikums Freiburg ihren Anteil an Alexanders erfolgreicher Behandlung. Nur durch die gemeinsame und fachübergreifende Arbeit der Experten aus den unterschiedlichen medizinischen Bereichen – Herzchirurgie, Anästhesie, Kardiologie, Nephrologie, Kardiotechnik, medizinische Mikrobiologie, Transplantationsimmunologie – konnten die komplexen Herausforderungen bewältigt werden, die bei der Behandlung von Alexander erforderlich waren.  Umso schöner ist es, nun zu sehen, dass er wieder ein normales Leben führt.“ Am Universitäts-Herzzentrum werden jedes Jahr etwa 15 - 20 Herztransplantationen durchgeführt.

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