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Spitzenmedizin mit Herz

Freiburg, 01.06.2017

Patiententagebücher gegen das Vergessen

Auf der Intensiv- und Überwachungsstation des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen führen Pflegekräfte und Angehörige Tagebücher für die Patienten.

Auf der Intensiv- und Überwachungsstation des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen führen Pflegekräfte und Angehörige Tagebücher für die Patienten.

Die Zeit auf einer Intensivstation ist für viele Patienten und deren Angehörige sehr belastend – auch nach der Entlassung. Denn oft tauchen nachträglich wiederholt bruchstückhafte Erinnerungen aus dem Unterbewusstsein auf, die die Betroffenen nicht einordnen und die sehr belastend sein können. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Posttraumatisches Belastungsstörung.

Um diese Lücke in der Erinnerung zu schließen, werden auf der Intensivstation 1c des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen (UHZ) am Standort Bad Krozingen Patiententagebücher geführt, wenn die Angehörigen das wünschen. „Mit dem Tagebuch dokumentieren wir gemeinsam mit den Angehörigen den Verlauf der Krankheit und wollen so die Zeit überbrücken, die die Patienten in ihrem nicht-wachen Zustand verpasst haben“, sagt die Intensivpflegerin und stellvertretende Stationsleiterin Petra Mauer. Diese Informationen dienen sowohl dem Patienten wie den Angehörigen zur weiteren Verarbeitung des Erlebten. Auch im Trauerfall kann ein solches Tagebuch für die Angehörigen sehr wertvoll sein.

Im Tagebuch werden wichtige Details und Entwicklungen notiert. Wann hat er oder sie das erste Mal  die Augen aufgemacht? Wann hat er wieder begonnen, alleine zu atmen? Wann konnte er erstmals wieder an der Bettkante sitzen? Auch Tagesabläufe oder sehr unruhige Phasen wie Alpträume können erwähnt werden.  Das vertraulich geführte Tagebuch gebe den Patienten später die Möglichkeit, so Maurer, diese Puzzlesteine zusammenzusetzen und Erinnerungen zu verarbeiten, zu erhalten oder Lücken zu füllen.

Die zweite Schicht macht den ersten Eintrag

Den ersten Eintrag im Intensiv-Tagebuch macht immer eine Pflegerin oder ein Pfleger des UHZ. Die beste Zeit für die Pflege, um mit dem Tagebuch zu beginnen, ist nach Maurers Erfahrung in der zweiten betreuenden Schicht. Zu diesem Zeitpunkt seien die Ereignisse noch frisch und der Zeitaufwand sei übersichtlich. „Nur fünf Minuten pro Schicht für einen Eintrag können das Leben der Betroffenen und Angehörigen deutlich erleichtern, manchmal noch ein ganzes Leben lang.“

Ist dieser schriftliche Anfang gemacht, begrüßen die meisten Angehörigen zuerst den Kranken, dann schreiben sie ins Tagebuch: Was passiert gerade zu Hause, wie geht es der Familie? Kinder malen sehr oft Bilder. Ist eine Angelegenheit zu persönlich, wird dem Buch ein verschlossener Umschlag beigelegt, den der Patient später lesen kann.

„Wir erleben die Angehörigen oft mit großem Erstaunen und Dankbarkeit darüber, dass wir ihnen in ihrer schlimmsten Zeit mit dem Tagebuch Unterstützung anbieten“, sagt Intensivpflegerin Petra Maurer. In den meisten Fällen, die sie bislang erlebt hat, wird das Tagebuch sehr gut genutzt. Die Patienten, die oft staunen, was sie alles im nicht-wachen Zustand erlebt haben, seien ebenfalls sehr dankbar für das Tagebuch, mit dem sie die Chance haben, die Zeit auf der Intensivstation besser verarbeiten können.


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