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Spitzenmedizin mit Herz

Freiburg, 16.11.2017

„Es braucht Raum, Worte und Rituale“

Diakon Jens Terjung betreut in der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie Kinder, die eine Herztransplantation benötigen. Für seine Verdienste hat Terjung nun den Helmut-Werner-Preis 2017 erhalten.

Herr Terjung, Sie haben am 9. November den Helmut-Werner-Preis in Frankfurt überreicht bekommen. Was bedeutet er für Sie?
Ich freue mich sehr, dass ich als Seelsorger hier am Universitäts-Herzzentrum diesen Preis in Empfang nehmen durfte – als Anerkennung für meinen Einsatz bei den transplantierten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern vor, während und nach einer Herztransplantation; aber auch als Anerkennung für ein gelungenes Kooperationsmodell zwischen Klinik, Elternverein und Kirche.

Ein Video zum Preisträger finden Sie unter https://youtu.be/1wAIqh7NgiU 

Wie sieht das Kooperationsmodell konkret aus?
In der Regel ist ein kirchlich angestellter Seelsorger mit einer ganzen Stelle für 600 bis 800 Betten zuständig. Mein Arbeitsbereich bezieht sich ausschließlich auf die Freiburger Kinderkardiologie (Intensivstation, IMC-Station, Ambulanz) und ist somit viel überschaubarer. Dies ist nur möglich, weil die Klinik und der Elternverein Herzklopfen e. V. in Kooperation mit der Evangelischen Landeskirche Baden meine Arbeit finanzieren. Dadurch kann ich viel präsenter sein, bin viel besser eingebunden und kann den Eltern und ihren Kinder auch während eines längeren stationären Aufenthaltes verlässlich zur Seite stehen.

Sie arbeiten seit mehr als 16 Jahren mit schwerkranken Kindern und ihren Angehörigen. Immer noch Ihr Traumjob?
Immer wieder bekomme ich zu hören, dass ich einen „harten Job“ habe. Das stimmt nur zum Teil, denn es gibt auch viele erfreuliche Verläufe mit einem guten Ausgang, viele berührende Momente, große Dankbarkeit und vieles mehr. Aber es stimmt sicherlich auch, dass der Weg bis dahin mit vielen Höhen und auch Tiefen verbunden ist, in die ich oft – unabhängig von den Tageszeiten – hautnah eingebunden bin. Mit einem guten Maß an Nähe und Distanz, Zuwendung und Abgrenzung, Mitfreuen und Mitfühlen versuche ich, den Menschen ein guter Begleiter zu sein – für jeden in dem Maß, was und wie er oder sie es benötigt. Kurzum: Ich arbeite gerne als Seelsorger in dieser Klinik.

Durch was zeichnet sich seelsorgerliche Begleitung besonders aus?
Gute (seelsorgliche) Begleitung während eines stationären Aufenthaltes zeichnet sich unter anderem durch einen verlässlichen, gut erreichbaren Ansprechpartner aus, der auch dann zur Seite steht, wenn die Not und der Bedarf besonders groß sind. Das ist im Rahmen einer Herztransplantation ein wichtiger stabilisierender Faktor. Weil ich nur für die Kinderkardiologie zuständig bin, bin ich gut „sichtbar“. Man trifft mich auf dem Flur an, man sieht mich im Gespräch mit anderen Eltern und deren Kindern, man sieht mich in der Küche oder wenn ich mir einen Kaffee hole. Wenn ich am Computer tätig bin, lasse ich meist meine Bürotür offen stehen, so dass ich sehr gut ansprechbar bin. Ebenso sehr gehört zur seelsorglichen Begleitung auch eine religiöse Sprachfähigkeit, weil Menschen in solch extremen Lebenssituationen vielfältige Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach einer höheren Macht, nach dem, was tragen kann, stellen. Dafür braucht es Raum und gegebenenfalls Worte, Formulierungen und Rituale.

Was verändert sich für Sie durch den Helmut-Werner-Preis? Was nehmen Sie mit in den Alltag?
Ich werde meine Arbeit wie bisher weiter gestalten – mein Engagement wird nicht größer, aber auch nicht geringer werden. Und ich habe neue Kooperationspartner gefunden, auf die ich die zu betreuenden Familien verweisen kann.

Der Helmut-Werner-Preis
Die Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) vergibt seit 2005 einmal im Jahr den „Helmut Werner-Preis“ für Menschen, die sich in besonderem Maße um die Belange von Kindern und Jugendlichen vor oder nach einer Transplantation verdient gemacht haben. Der mit 5000 Euro dotierte Preis ist benannt nach dem 2004 verstorbenen früheren Mercedes-Chef Helmut Werner, der ein außergewöhnliches Engagement für die lebensrettende Idee der Organspende zeigte.

Universitäts-Herzzentrum Freiburg • Bad Krozingen
Mit etwa 22.000 stationären Patienten pro Jahr, 377 Betten und 1.500 Mitarbeitern ist das Universitäts-Herzzentrum Freiburg • Bad Krozingen eines der bundesweit größten Herz-Kreislaufzentren. Es nimmt in der Krankenversorgung, Forschung und Lehre eine exponierte Stellung in Deutschland und Europa ein. Das Universitäts-Herzzentrum verfügt über die Wissensträger und die Ausstattung, um neue Behandlungsmethoden zu erforschen und dem Patienten schnell und verantwortungsvoll zu Gute kommen zu lassen. Gestärkt wird die Forschungskompetenz durch die geplante Etablierung eines national und international sichtbaren biomedizinischen Forschungszentrums auf dem Gebiet der kardiovaskulären Medizin

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