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Spitzenmedizin mit Herz

, 03.04.2018

Bauchaortenscreening: Gegen die Zeitbombe im Bauch

Viele Männer tragen eine tickende Zeitbombe in sich. Ihre Bauchschlagader ist gefährlich geweitet und kann jederzeit reißen. Dann droht akute Lebensgefahr. Mit einem neuen Screening können Ärzte die Gefahr erkennen und bannen.

Mit der steigenden Lebenserwartung steigt auch die Zahl der Menschen, die Probleme mit der Hauptschlagader entwickeln. Als Bauchaorten-Aneurysma bezeichnen Ärzte die häufigste und gefährlichste Komplikation. Dabei dehnt sich das Hauptgefäß im Bauch stark aus, bis es zu reißen droht. Wenn dies geschieht, fließt innerhalb von Sekunden viel Blut in den Bauchraum und der Betroffene stirbt oft, bevor er im Krankenhaus ist.

„Bislang werden Aneurysmen meist zufällig entdeckt, weil sie zunächst kaum Beschwerden machen“, sagt Professor Dr. Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen. Das könnte sich jetzt ändern.

10-minütige Ultraschall-Untersuchung kann Leben retten

Denn seit Anfang 2018 zahlen die Krankenkassen für Männer über 65 Jahren eine Vorsorgeuntersuchung. Denn vier bis acht Prozent aller Männer in diesem Alter haben eine gefährliche Gefäßweitung.

Bei der Untersuchung vermisst der Arzt mit einem Ultraschallgerät den Durchmesser der Bauchaorta. Ist dieser kleiner als 2,5 Zentimeter, gilt der Befund als unauffällig. Ist die Aorta mehr als drei Zentimeter dick, muss der Patient alle sechs Monate mit Ultraschall kontrolliert werden. Ab fünf Zentimeter sprechen Mediziner von einem behandlungsbedürftigen Aneurysma. Das Screening kann jeder Arzt mit Ultraschallgerät durchführen.

Betroffene haben fast nie Beschwerden

Meist haben Betroffene keine Beschwerden. „Deshalb ist es so wichtig, dass alle Männer das Screening wahrnehmen“, sagt Professor Beyersdorf. Erst wenn die Aorta kurz davor steht zu reißen, nehmen die Betroffenen Schmerzen wahr, meist im Rückenbereich. Dann ist eine sofortige Operation notwendig.

Vier von fünf Patienten werden minimalinvasiv versorgt

An der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg Bad Krozingen werden jährlich rund 400 Patienten wegen eines drohenden Aortenrisses behandelt. „Die Bauchaorta kann offen chirurgisch oder minimalinvasiv behandelt werden. Welche Art der Operation gewählt wird, hängt immer vom Patienten und seiner Erkrankung ab“, sagt Professor Beyersdorf.

Beim minimalinvasiven Eingriff wird über die Leistengefäße ein Drahtgeflecht, ein sogenannter Stentgraft, unter Röntgenkontrolle an den Ort der Aussackung vorgeschoben und dort ausgedehnt. Man spricht auch von endovaskulärem Vorgehen. Rund 80 Prozent aller Patienten mit Bauchaortenaneurysma werden am Universitäts-Herzzentrum minimalinvasiv behandelt. In akuten und besonders komplexen Fällen wird ein offener chirurgischer Eingriff durchgeführt.

Nach dem Eingriff ist vor der Nachsorge: Aortenpass hilft

„Wir sind fest davon überzeugt, dass die Nachsorge genauso wichtig ist wie die präoperative Vorbereitung und Behandlung“, sagt Professor Beyersdorf. Darum werden alle Patienten, die am UHZ wegen eines Aortenaneurysmas behandelt wurden, im Nachgang in der Aortenambulanz regelmäßig untersucht.

Ein Aortenpass der Patienten beinhaltet Informationen über die Erkrankung, stattgefundene Eingriffe, eine individuelle Skizze der Hauptschlagader, das Datum der nächsten Kontrolle sowie die wichtigsten Kontakten im UHZ. So lässt sich sicherstellen, dass die Zeitbombe im Bauch nicht unbemerkt wieder zu ticken droht.

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