Zu den Inhalten springen

Spitzenmedizin mit Herz

Hauptnavigation:

Bert Jäger

26. Januar bis 6. März 2015 - Die Arbeiten umfassen den Zeitraum von 1989 bis 1996 - Malerei und Arbeiten auf Papier

Cose della Vita, 1989 (links) - Die Dinge des Lebens Lo stupore del grillo, 1989 (hinten links) - Das Staunen der Grille Comizio dei funàmboli, 1989 (hinten rechts) - Die Kundgebung der Seiltänzer

Wenn die Besucher das Attikageschoss betreten, sehen sie sich einem Farb- und Formenrausch ausgesetzt, dem sie sich kaum entziehen können - und wahrscheinlich auch gar nicht möchten.

Die großformatigen Gemälde (Acryl auf Leinwand) entfalten eine koloristische Pracht, die man erst nach einem ausgiebigen Augenschmaus differenzieren möchte, um nach lesbaren Details zu suchen.

Mit anderen Worten: Was ist dargestellt?

Die italienischen Titel verweisen auf Jägers Atelier im ligurischen Pietrabruna. Die kleine Gemeinde, die heute 540 Einwohner zählt, liegt malerisch hoch oben in den Bergen nahe Imperia über dem Mittelmeer. Auch der Titel dieses Gemäldes Lo sbarco  dello scarabeo rinoceronte  von 1989 (Die Aussetzung des Nashornkäfers) dürfte in der mediterranen  Abgeschiedenheit  entstanden sein.

Der Titel verweist auf das Bild, doch der Bildgegenstand illustriert nicht den Titel, da es unserer Phantasie überlassen ist, die Geschichte vom Käfer in der Farbkomposition zu entdecken.

Ähnliches ist wahrscheinlich ebenfalls vor den Gemälden Dingen des Lebens oder Staunen der Grille vom Künstler beabsichtigt gewesen.

Vielleicht weist die Farbe den Weg oder gibt zumindest erste Hinweise aus das Bild hinter dem Bild. Die kontrastreiche und leuchtende, manchmal schier aufglühende Komposition ist dem intensiven Licht- und Farbenspiels der südländischen Landschaft geschuldet. Aber nicht nur. Genesen von einer schweren Augenkrankheit - zwei Operationen in den Jahre 1983 und 1984  waren nötig - fand er wieder zu Pinsel und Farbe. Nun kostete er das Neue Sehen leidenschaftlich aus.

Das obenstehende Gemälde mit dem Titel Mäuseglück entstand im Jahr 1996 - zwei Jahre vor seinem Tod. Ob man in dem Bild Mäusefallen erkennen kann, oder im Zentrum das wachsame Auge einer Katze? Glauben wir dem Titel: Die Mäuse haben Glück gehabt.

Details vom Mäuseglück offenbaren die Wucht, mit der er die Farbe auf die Leinwand bringt, ohne den vorgegebenen Rhythmus zu verlassen. Die Farbformen greifen ineinander über, so als ob sie dazu da sind, ein neues Farbspiel zu inszeniere.

Die Bildbegrenzung erscheint nun willkürlich - es könnte immer weiter gehen, über den Rahmen hinaus, und dann würde selbst eine riesige Wandfläche nicht ausreichen, um die wild vorwärts drängenden Formen aufzunehmen.