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Spitzenmedizin mit Herz

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Freiburg, 02.04.2019

Smarte Uhr misst den Puls

Kürzlich wurde eine Smartwatch auf den Markt gebracht, die EKG-Messungen erlaubt. Die Methode gilt als aussagekräftig. Ein Kardiologe des UHZ war an einer großen Vorläufer-Studie beteiligt.

Kürzlich hat ein großer US-Konzern ein Software-Update für seine Smartwatch veröffentlicht, das EKG-Messungen erlaubt. Die Methode gilt als aussagekräftig. Ein Kardiologe des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen war an einer großen Vorläufer-Studie beteiligt.

Ein US-Konzern hat kürzlich eine smarte Armbanduhr auf den Markt gebracht, mit der der Herzrhythmus gemessen werden kann. Die Uhr erstellt ein einfaches Elektrokardiogramm, kurz EKG. „Das von der Uhr aufgezeichnete EKG ist weit weniger umfangreich als das beim Kardiologen. Aber es reicht prinzipiell, um Vorhofflimmern zu entdecken. Herzinfarkte lassen sich nicht erkennen“, sagt Dr. Christoph Olivier, Facharzt an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen. Der Kardiologe war Research Fellow am Center for Digital Health der Stanford University School of Medicine und Teil des Studienteams der Apple Heart Study, die im Vorfeld des jetzt freigeschaltete Messverfahren lief.

Viele Betroffene bemerken gefährliche Beschwerden nicht

Vorhofflimmern gilt mit rund 1,8 Millionen Betroffenen in Deutschland als die häufigste Herzrhythmusstörung, tritt mit dem Alter häufiger auf und ist einer der Hauptgründe für einen Schlaganfall. Manche Patienten spüren Herzrasen oder unregelmäßigen Puls und fühlen sich schnell erschöpft. Aber nicht alle: „Viele Betroffene bemerken nichts von der Erkrankung, weil das Flimmern nur ab und zu auftritt. Dann ist es auch beim Arzt schwer zu ermitteln. Für diese Patienten könnte ein tragbares Messgerät in Form einer smarten Uhr sehr hilfreich sein, wenn es eine gezielte Fragestellung gibt“, sagt PD Dr. Torben Pottgießer, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Möglichkeiten und Grenzen von sogenannten Wearables, also tragbaren Messgeräten für Laien. „Die Datenerfassung des Geräts funktioniert prinzipiell. Das Gerät liefert jedoch nur Hinweise, die Einordnung der auffälligen Messung muss aber weiterhin der Arzt übernehmen“, sagt Dr. Pottgießer.

Wie die Messung funktioniert

Während die im Rahmen der Apple Heart Study verwendeten Uhr-Modelle anhand von optischen Sensoren Unregelmäßigkeiten registrierten, kann das neueste Uhr-Modell zusätzlich ein einfaches Elektrokardiogramm (EKG) erstellen. Dafür muss der Nutzer mit der rechten Hand die Uhr am linken Handgelenk berühren. Im Anschluss erhält er ein PDF, das er auch mit seinem Arzt besprechen kann.

Apple Heart Study

In die Apple Heart Study wurden innerhalb von nur neun Monaten rund 420.000 Probanden aufgenommen. „Das ist eine völlig neue Dimension in Bezug auf klinische Studien“, sagt Dr. Olivier. „Diese Methodik erlaubt es uns erstmals große Bevölkerungsstudien durchzuführen, ohne dass die Probanden einen besonderen Aufwand haben.“ Ermittelte das Gerät bei fünf von sechs aufeinander Messungen eine verdächtige Pulsaktivität, erhielten die Nutzer eine Aufforderung, dass sie sich mit einem Studienarzt in Kontakt setzen sollten. Der Kardiologe Dr. Olivier war im Sicherheitsteam der Apple Heart Study und bewertete alle auftretenden Probleme der Nutzer. „Es gab die Sorge, dass die Nutzer durch die Aufforderung verängstigt werden. Das konnten wir in dieser Probandengruppe nicht bestätigen“, sagt Dr. Olivier.

Gleichzeitig sehen die beiden Kardiologen noch viele offene Fragen, die bei der Nutzung solcher Gesundheits-Wearables entstehen: „Anders als in der Studie haben die Nutzer der Uhr keinen damit vertrauten medizinischen Ansprechpartner. Ob das zu Verunsicherung oder zu vermehrten Arztbesuchen führt, wissen wir derzeit noch nicht. Ebenso ist unklar, wie viele Episoden von unregelmäßigem Herzschlag durch die Uhr nicht erfasst werden“, sagt Dr. Pottgießer.

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