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Spitzenmedizin mit Herz

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Bad Krozingen, 21.05.2019

EKG: Pionierarbeit mit Potenzial

Es ist das wichtigste Diagnoseverfahren fürs Herz: Das EKG. Sein Erfinder wäre am Dienstag 159 Jahre alt geworden. Ärzte des UHZ erforschen aktuell, ob sich damit vernarbte Vorhöfe detektieren lassen.

Sein Name sagt den wenigsten Laien etwas, seine Erfindung kennt fast jeder: Der niederländische Arzt Willem Einthoven hat das Elektrokardiogramm erfunden, kurz EKG. Am 21. Mai wäre er 159 Jahre alt geworden. Für seine Erfindung erhielt Einthoven 1924 den Medizin-Nobelpreis. „Die Erfindung des EKG hat die moderne Kardiologie überhaupt erst möglich gemacht“, sagt Prof. Dr. Thomas Arentz, Leiter der Abteilung für Rhythmologie an der Klinik für Kardiologie und Angiologie II des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen.

Was wird mit dem EKG gemessen?

Mit dem EKG wird die elektrische Aktivität des Herzens gemessen. Anhand der Messkurven können Kardiologen den Herzrhythmus, die Herzfrequenz sowie die elektrische Aktivität der einzelnen Vorhöfe und Herzkammern beurteilen. „Auch beim Verdacht auf einen Herzinfarkt wird sofort ein EKG gemacht. Es dauert nur wenige Sekunden und liefert wichtige Hinweise“, sagt Arentz. Auch bei der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern wird das Elektrokardiogramm eingesetzt.

Je nach Fragestellung wird das EKG im Ruhezustand oder unter körperlicher Belastung abgeleitet. Wenn Betroffene über Herzstolpern klagen, kann ein Langzeit-EKG Klarheit schaffen. Die Aufzeichnung dauert dann bis zu sieben Tage, in denen der Patient das EKG-Gerät bei sich trägt. In ausgewählten Fällen implantieren die Experten der Abteilung für Rhythmologie einen sogenannten Event-Recorder direkt unter die Haut über dem Herzen. „Damit können wir über mehrere Jahre aufzeichnen, ob Rhythmusstörungen auftreten, die bei kürzeren Messzeiträumen übersehen werden“, sagt Arentz.

EKG-Untersuchung früher und heute

Willem Einthoven war zwar nicht der erste, der die elektrische Aktivität des Herzens gemessen hat. Er entwickelte die Messmethode aber so weiter, dass sie im Krankenhaus genutzt werden konnte. Das Gerät war mehr als 250 Kilogramm schwer, fast so groß wie ein Zimmer und nicht transportabel. Der Patient saß auf einem Stuhl und tauchte die Arme und ein Bein in Gefäße mit einer Salzlösung. Die Salzlösung stellte die elektrisch leitende Brücke zwischen Körper und Gerät dar.

Heute wird üblicherweise ein 12-Kanal-EKG eingesetzt. Dabei werden 10 kreisförmige Elektroden auf den Oberkörper sowie auf Arme und Beine geklebt. Das EKG wird auf einem EKG-Schreiber oder direkt im Computer ausgegeben. Neuerdings ist sogar eine EKG-Aufzeichnung mittels Smartphone und Smartwatch möglich.

Eine neue EKG-Elektroden-Weste soll Vernarbungen im Herzen sichtbar machen

Vernarbungen des Herzens im Bereich der Vorhöfeerhöhen das Schlaganfallrisiko und können Vorhofflimmern verursachen. Bislang mussten Kardiologen mittels Katheter direkt im Herzen ein EKG ableiten, um zu prüfen, ob eine Vernarbung vorliegt und wie groß sie ist.

Mit einer neuen Weste wollen die Forscher des UHZ aus der Arbeitsgruppe von Professor Arentz und Dr. Amir Jadidi, Oberarzt der Abteilung für Rhythmologie, diese Information ohne invasiven Eingriff erheben. Die Weste enthält 252 statt 10 Elektroden. „Damit wollen wir sehen, ob und wie stark ein Vorhof vernarbt ist und ob dadurch das Risiko eines erneuten Vorhofflimmerns oder eines Schlaganfalls erhöht ist“, sagt Studienarzt Dr. Martin Eichenlaub, Assistenzarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie II des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen.

Anhand dieser Informationen können die Ärzte in der Zukunft vielleicht entscheiden, ob einem Patienten eher eine medikamentöse Therapie oder eine Verödungstherapie hilft. Noch läuft die Studie, aber die Forscher sind sehr optimistisch. „Die bisher ermittelten Daten sehen sehr gut aus“, sagt Eichenlaub.

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