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Spitzenmedizin mit Herz

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Piotr Iwicki

16. März bis 24. April 2015: Lost Spaces

Der polnische Künstler Piotr Iwicki überrascht auf den ersten Blick mit Motiven, die befremdlich anmuten. Er nennt seine Serie Lost Spaces, die in den Jahren von 2008 bis 2011 entstanden ist. Die Technik gibt er mit dem rätselhaften Namen Diasec an. Sämtliche Bilder weisen dasselbe Format auf: 70 x 140 cm.Das Befremdliche auf den ersten Blick könnte in der Absicht des Künstlers liegen. Die Präsentation des Fremden ruft Neugier oder spontane Ablehnung hervor. In diesem Spannungsfeld öffnet sich die Artistik des Werks. Und wenn man genauer nach der Technik Diasec fragt, dann wird man zur Antwort bekommen, dass diese Bilder weder gemalt, noch gezeichnet oder gedruckt sind, sondern technisch generiert. Eine Digitalkamera liefert das Bildmaterial, das mit Hilfe von Computerprogrammen bearbeitet wird. Für die Gestaltung sind mehrere Prozesse nötig, in denen auch Zeichen - oder Layoutprogramme Verwendung finden.

In die Breitwandformate sind Bildräume mit teilweise gespenstischen Motiven eingepasst, die eine seltsame, vielleicht sogar unheimliche Sogwirkung ausüben: Vor dem Bild stehend, befinde ich mich im Raum und bin dem Szenarium ausgesetzt. Unheimlich? Wieso eigentlich. Sind das nicht die täglichen Realitäts-Botschaften, die ich online zu sehen bekomme und gleichgültig darüber hinwegsehe, um mich vorwärts zum nächsten Bild oder Video zu klicken?

Hier stehe ich tatsächlich nicht im Bild, sondern im Realitätsraum. Eine zauberhafte Abendstimmung könnte mich mit diesem Bild umfangen, doch die Mondsichel ist gerahmt von - ja wovon denn? Sind es verottete Ruinen mit verzweigten Stahlrohren, oder abgründige Bruchkanten von Felswänden?

Schaue ich mir das Bild genauer an, kann ich mir aussuchen, wo ich mich befinde. Auf jeden Fall ist es kein angenehmer Ort, und ich bin froh, dass ich vor dem Bild stehe und nicht Bewohner des Szenariums bin.
Die Verschränkung der Räumlichkeiten - gemeint sind Bild- und Realraum - intensiviert die Illusion des Im-Bilde-Seins und verstärkt die ästhetische Wirkung. Die Konfrontation mit dem Bild, das keine Realität darstellt, löst offensichtlich stärkere Emotionen aus als aktuelle Realitätsbilder des Weltgeschehens.

Man sollte diese Befindlichkeit, wenn sie sich denn eingestellt hat, nutzen, um einen genaueren und offeneren Blick auf die Welt, in der wir leben, zu werfen.

  • Der in Gdynia/Polen geborene Künstler ist Preisträger des
    12. Internationalen Salon für Kunstfotografie / Kraków 1981.
  • Im Jahr 1993 erhielt er den Förderpreis La Fondation des Prix Européen / Freiburg.
  • Seit 1987 haben viele Einzelausstellungen in südwestdeutschen Galerien und in Basel Piotr Iwicki bekannt gemacht.