Zu den Inhalten springen

Spitzenmedizin mit Herz

Hauptnavigation:

Bad Krozingen, 07.02.2019

Schnelltest für mehr Sicherheit in der Herzinfarkt-Therapie

Mit dem 1-Stunden-Troponin-Test kann sehr schnell ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden. Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen konnten nun zeigen, dass der Test auch bei Hochrisikopatienten aussagekräftig ist.

Der Herzinfarkt zählt mit rund 49.000 Sterbefällen pro Jahr zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Alljährlich werden rund 220.000 Menschen mit einem Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert. Die Patienten klagen meist über schwere Schmerzen überwiegend im Brustkorb, die länger als fünf Minuten anhalten und als brennend mit Engegefühl in der Brust und drückend beschrieben werden. Die Schmerzen können auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten und in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen. Auch Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen. Aber nicht immer sind die Symptome so eindeutig. Auch andere bedrohliche Erkrankungen können sich dahinter verbergen, die sich mit ähnlichen Anzeichen bemerkbar machen.

„Je schneller und sicherer die bestehende Erkrankung diagnostiziert werden kann, desto rascher kann die passende Therapie erfolgen und umso größer sind die Heilungsaussichten für die Patienten“, erklärt Prof. Dr. Willibald Hochholzer, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Angiologie II am Standort Bad Krozingen des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen.

Der sogenannte 1-Stunden-Troponin-Test kann die Diagnose Herzinfarkt binnen einer Stunde sichern. Diesen Schnelltest hat Prof. Hochholzer mit finanzieller Unterstützung aus dem Gerda-Müller-Weber-Fonds der Deutschen Herzstiftung an 1.500 Hochrisikopatienten im Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen erfolgreich getestet.

Erhöhter Troponin-Spiegel: Herzinfarkt – oder andere Erkrankung?

Um die Diagnose Herzinfarkt (Myokardinfarkt) zu sichern, schreiben die Ärzte ein Elektrokardiogramm und analysieren die elektrischen Herzströme. „Das zentrale Kriterium jedoch, um die Diagnose Herzinfarkt zu untermauern, ist der sogenannte Troponin-Test“, erklärt Prof. Hochholzer. Kardiales Troponin ist ein Proteinkomplex, der dazu beiträgt, dass Herzmuskelzellen kontrahieren und das Herz seine Aufgabe als Blutpumpe erfüllen kann. Erhalten die Muskelzellen des Herzens zu wenig Sauerstoff und werden sie nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sterben sie ab. Dann wird kardiales Troponin aus den Zellen freigesetzt und gelangt ins Blut. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich ein Herzinfarkt ereignet hat.

Ein erhöhter Troponin-Spiegel im Blut weist darauf hin, dass der Herzmuskel geschädigt wurde – es muss aber nicht unbedingt ein Infarkt sein, der die Zellen absterben und den Troponin-Spiegel im Blut ansteigen lässt. Auch andere Erkrankungen und Schädigungen können das verursachen, etwa eine Lungenembolie, ein septischer Schock oder bestimmte Herzrhythmusstörungen. „Diese Patienten machen, bedingt durch einen relativen Sauerstoffmangel, auch eine Art ,Infarkt’ ohne Gefäßverschluss durch, einen sogenannten Myokardinfarkt Typ 2“, erklärt der Experte.

Je nach Ursache der Erkrankung müssen sie aber alle unterschiedlich behandelt werden. Liegt tatsächlich ein „klassischer“ Herzinfarkt aufgrund eines Gefäßverschlusses (Typ 1) vor, muss das betroffene Herzkranzgefäß umgehend mit einem Ballon wiedereröffnet und eine Gefäßstütze (Stent) implantiert werden, um das Organ vor weiterem Schaden zu bewahren.

Diagnose in einer Stunde: Schneller und zielgenauer behandeln

Damit die Diagnose „Herzinfarkt“ möglichst schnell sichergestellt wird und die lebensrettende Therapie rechtzeitig beginnen kann, empfehlen die neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) bei Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt den „1-Stunden-Troponin-Diagnose-Algorithmus“. Dabei handelt es sich um eine Art Handlungsvorschrift, die auf den Werten von hochsensitivem kardialem Troponin basiert und es erlaubt, binnen einer Stunde einen Herzinfarkt zu bestätigen – oder auszuschließen. Bislang wurde der Algorithmus bei Patienten in allgemeinen Notaufnahmen getestet. „Dort ist der Anteil der Patienten mit einem akuten Herzinfarkt allerdings relativ gering“, schränkt Prof. Hochholzer ein. Der Kardiologe und Kollegen haben in einer großen Studie die Aussagekraft des Tests an 1.500 Hochrisikopatienten im Alter von durchschnittlich 72 Jahren erfolgreich getestet.

„Der Test funktioniert hervorragend für den Ausschluss eines Herzinfarktes auch bei diesen Hochrisikopatienten“, nennt Prof. Hochholzer das Ergebnis. „Auch bei den meisten Patienten im Herzzentrum liefert der 1-Stunden-Troponin-Algorithmus eine schnelle und sichere Diagnose.“ Geprüft wird derzeit, ob sich Troponin-Grenzwerte und weitere diagnostische Schritte festlegen lassen, die es erlauben, frühzeitig einen „klassischen“ Myokardinfarkt Typ 1 vom Myokardinfarkt Typ 2“, abzugrenzen.

zurück
Pressestelle

Benjamin Waschow
Telefon: 0761 270-19090
Telefax: 0761 270-9619030
E-Mail: kommunikation@universitaets-herzzentrum.de

 
Dreharbeiten in Gebäuden und auf dem Gelände des Universitäts-Herzzentrums bedürfen einer Erlaubnis durch die Geschäftsführung. Drehgenehmigungen erhalten Journalisten auf Anfrage bei der Pressestelle.